Interview mit Herrn Plewka zum Projekt “Erinnern”

Seit einigen Jahren gehören zwei Halbjahresprojekte zum Stundenplan der Jahrgangsstufe 11. Im Jahr 2011 entstand so ein Projekt, dass zu einer Studienfahrt nach Auschwitz führte. Das folgende Interview schildert die Einzelheiten.

 

Privatschule Niederrhein (PN):
Jürgen, Du bist Klassenlehrer der Klasse 11 –  wie kamen die beiden Halbjahresprojekte im Stundenplan zustande?

Jürgen Plewka (JP):
Ca. zwei Monate vor Schuljahresende haben wir den Schülern zunächst grundsätzlich vorgestellt, was in der 11 geplant ist. Schon da wurden mögliche Interessen der Schüler abgefragt. Prinzipiell ist es aber so, dass wird uns im Kollegenkreis kurzschließen, welche Projekte wir für sinnvoll halten und welche wir realisieren können – da spielen stundenplantechnische Möglichkeiten dann auch eine Rolle. Auf diese Weise entstanden zehn Projektideen von „Mathematik im Alltag“ bis zu „Die Simpsons als Mittel im Unterricht?“, aus denen die Schüler dann wählen konnten.

 

PN:
Wie kam es zur Projektidee „Auschwitz“?

JP:
Das war interessant. Die letztjährige 10 war eine sehr interessierte Klasse im Fach Geschichte, insbesondere auch beim Thema „Nationalsozialismus“. Ich selber wäre trotzdem nicht auf die Idee gekommen, mich mit einer Schülergruppe ein halbes Jahr mit Auschwitz auseinanderzusetzen.

Urheber der Idee war Lisa, die während des Unterrichts zum Thema „Holocaust“ meinte, sie fände es interessant und sinnvoll, das ehemalige Konzentrationslager zu besuchen.

Ich habe ihr gesagt, sie solle daraus einen Projektvorschlag machen, er käme dann noch auf die Auswahlliste. Prompt lag er am nächsten Tag vor, sie Schüler haben sich dann mehrheitlich dafür entschieden.

 

PN:
Was macht ihr nun im Projekt?

JP:
Ausführlich lautet das Projektthema „Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Studienfahrt nach Auschwitz“. Dazu gehören die ganzen organisatorischen Dinge wie Erarbeitung eines Programms für die Fahrt, Finden eines Anbieters, Beantragen von Zuschüssen, die Reflexion über die eigenen Erwartungen und auch eine inhaltliche Vorbereitung auf die Fahrt.

 

PN:
Was habt ihr da vor?

JP:
Die Gruppe hat nachgedacht, was wichtig sein könnte im Vorfeld und sich dann für bestimmte Themen entschieden. So haben die Schüler sich mit dem Leben von Rudolf Höss, dem ersten Lagerkommandanten von Auschwitz, auseinandergesetzt. Schülergruppen werden etwa über die Geschichte des Judentums und die Stadt Oswiecim vor der deutschen Besetzung referieren. Es arbeiten Arbeitsgruppen zu den Themen „Kinder im KZ“, „Medizinische Versuche im KZ“ und dem Auschwitz-Prozess Anfang der 60er Jahre.

 

PN:
Was erhoffst Du Dir vom Projekt?

JP:
Zunächst einmal das, was wir uns grundsätzlich von den Projekten in der Oberstufe erhoffen. Wir wollen dort eine andere Form des Lernens praktizieren – weg von der Lehrerzentriertheit, die ja immer auch die Gefahr von Schülern in der Rolle reiner „Konsumenten“ mit sich bringt – und erhoffen uns, dass das auf den „normalen“ Unterricht abfärbt.

Was die Studienfahrt speziell betrifft, hoffe ich auf Schüler mit offenen Herzen und Hirnen – der Ort und die geplanten Begegnungen werden für alles Weitere sorgen. Da muss und sollte ein Lehrer keine „Unterichts“-ziele formulieren. Die Schule hat einem Kollegen und mir 2003 eine Fortbildung in Auschwitz und Krakau finanziert, die Tage gehören zu den beeindruckendsten Erlebnissen meines Lebens.

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